From The Streets Of Rock City Hannover / Germany

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ROSY VISTA

Unbelievable / 49:56 Min.

SPV Steamhammer

„Gut Ding will Weile haben“ sagt der Volksmund. Die von 1984 bis 1989 bestehende Female-Hardrockband Rosy Vista aus Hannover um die umtriebige Produzentin, Gitarristin, Sängerin und Songwriterin Anca Graterol, hat diese Redewendung vielleicht etwas zu wörtlich genommen. Denn das dieser Tage erscheinende Debütalbum erblickt knapp 30 Jahre nach Auflösung der Band das Licht dieser Welt.

Eine lange Zeit, zweifelsohne. Andererseits ist es selten zu früh und nie zu spät sich einen Lebenstraum zu erfüllen. Und genau diesen Stellenwert nimmt das Album für Anca Graterol und ihre Mitstreiterinnen Andrea Schwarz (Vocals), Angela Mann (Bass) und Marina Hlubek (Drums) ein. Die vier gestandenen Musikerinnen schreiben die Geschichte ihrer gemeinsamen alten Liebe namens Rosy Vista fort, die Ende der Achtziger Jahre - nach erfolgreichen Tourneen mit Größen wie Mötley Crüe, Joe Cocker, Manfred Manns Earth Band, Uriah Heep etc. – ein abruptes Ende nahm. Nachdem die damalige Plattenfirma nach Veröffentlichung einer EP kalte Füße bekam und nicht an den langfristigen Erfolg einer Frauen-Hardrock-Band glauben wollte (jaja, die Emanzipation steckte damals noch in ihren Kinderschuhen), stand die Band plötzlich ohne Plattendeal da. Gesundheitliche Probleme von Frontfrau Andrea Schwarz besiegelten schlussendlich das Schicksal von Rosy Vista.

2019 nimmt das Quartett den Faden wieder auf und legt sein Erstlingswerk mit dem programmatischen Titel UNBELIEVABLE vor. Das Album besteht aus sechs frischen Kompositionen, einer Coverversion des Steppenwolf-Gassenhauers „Born To Be Wild“ sowie Neueinspielungen der fünf Tracks, die bereits Bestandteil der 1985 veröffentlichten EP waren. Um es gleich vorwegzunehmen: Novizen werden nicht ergründen können, bei welchen Nummern es sich um frisches bzw. älteres Material handelt. Das spricht für die Zeitlosigkeit der Songs, die Graterol & Co. komponiert haben. UNBELIEVABLE klingt wie aus einem Guss und strotzt nur so vor Spielfreude und Leidenschaft.

Die erste Singleauskopplung „Crazy“ gerät zum perfekten Albumopener. Knackiges Riff, toller Hook. Genehmigt, Frau Baurätin. „Master Of Control“, „Tables are Turned“ oder „Poor Rosy“ knallen nicht minder famos und lassen Befürworter harten Melodic-Rocks mit der Zunge schnalzen. Mit Nummern wie dem obergeilen Groove-Stampfer „Sadistic Lover“, der dezent bluesigen Ballade „Too Much Feeling“ und nicht zuletzt dem außergewöhnlichen, aber fantastischen „Hopatina“ werfen Rosy Vista weitere „Kamellen für die Ohren“ ins Auditorium. Ob’s die drölfigste Coverversion von „Born To Be Wild“ wirklich gebraucht hätte, sei mal dahingestellt. Zumindest live dürfte der Gassenhauer genügend dankbare Abnehmer finden und dem Alkoholumsatz zuträglich sein.

Sound, Attitude, Songwriting, hier stimmt einfach alles! Was mich angeht, beenden Rosy Vista die bereits jahrzehntelang währende Diskussion, ob Frauen in einer von Sackträgern dominierten Rockwelt tatsächlich etwas zu suchen haben; und zwar ein für allemal!

Rezension: Marc Schipper

 

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