From The Streets Of Rock City Hannover / Germany

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VICTORY

Two Years And A Few Beers Later / CD 1 : 51:32 CD 2 : 42:24 Min.

Eigenvertrieb

Ich wurde erstmals im Jahr 1989 auf Victory aufmerksam. Ein damaliger Kumpel schwärmte in den höchsten Tönen von der Truppe aus Hannover und lobte deren soeben erschienenes Album namens CULTURE KILLED THE NATIVE über den grünen Klee. Obwohl ich seinerzeit eher dem klassischen Heavy Metal zugetan war, ergriff ich die Gelegenheit beim Schopfe und lieh mir die Platte kurzerhand aus. Bereits nach dem ersten kompletten Durchlauf war ich vollends überzeugt vom druckvollen Heavy Rock und den erstklassigen Melodien und Hooks, die mir im Sekundentakt um die Ohren flogen. Kurzerhand handelte ich mit meinen Erziehungsberechtigten einen Vorschuss auf das nächste Taschengeld aus und wanderte in den nächsten Plattenladen (die es damals noch im Überfluss gab) und kaufte mir das Teil. Eine Anschaffung, die ich bis heute nicht bereut habe.

Nach dem ebenfalls großartigen Nachfolger TEMPLES OF GOLD (1990) verlor ich die Truppe um Herman Frank und Fargo Peter Knorn leider für viele Jahre aus den Augen, da sich meine musikalischen Antennen in gänzlich andere Richtungen ausrichteten. Anlässlich eines Interviews mit Herman, kramte ich meine Victory-Alben nach langer Zeit mal wieder hervor und war erneut begeistert von dem, was der Fünfer in den Achtzigern/frühen Neunzigern an Qualitätsmucke produziert hatte. Womit wir schließlich im hier und jetzt und beim Live-Doppeldecker TWO YEARS AND A FEW BEERS LATER angekommen wären.

Für Herman Frank ist Victory, trotz seiner Aktivitäten als Produzent, Mitglied bei Accept, seiner Solokarriere und der Mitwirkung an diversen Projekten immer eine Herzensangelegenheit geblieben, weshalb er 2013 mit neuer Mannschaft an den Start ging und in den darauffolgenden Jahren wieder die Bühnen des Landes beackerte. Das neue Livealbum legt ein beeindruckendes Zeugnis dieser Konzertreisen ab. Neben dem hervorragenden Zusammenspiel der beteiligten Musiker weiß insbesondere Frontmann Jioti Parcharidis mit seiner druckvollen Röhre und seinen Entertainer-Qualitäten zu begeistern. Die Setlist lässt ebenfalls keinerlei Wünsche offen. Hier werden nahezu alle Karrierestationen der Band abgedeckt, wobei der Großteil der Songs von den beiden erfolgreichsten (und meiner Meinung nach auch besten) Alben CULTURE … und TEMPLES … stammt. Gassenhauer wie "Hungry Hearts", "More And More" oder "On The Loose" haben keinerlei Patina angesetzt und dröhnen auch viele Jahrzehnte nach ihrer Erstveröffentlichung druckvoll und frisch aus den Boxen.

Die Spielfreude, die Victory hier an den Tag legen, reisst den Hörer vom ersten Moment an mit. Das streng limitierte und in Eigenregie veröffentlichte Doppelalbum (nur über die Victory-Homepage erhältlich!) sei daher nicht nur den beinharten Fans sondern allen Anhängern melodischen Heavy Rocks verbindlich ans Herz gelegt. Wie ich die Lage einschätze, wird TWO YEARS AND A FEW BEERS LATER schon in ein paar Jahren eine echte Rarität auf dem Markt sein. Also, schnell zugreifen, es lohnt sich definitiv!

Marc Schipper

(Redakteur bei Rock It!/Noisy Neighbours)

 

www.victory-band.com

Victory

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SPITEFUEL

Second To None / CD 45:23 Min.

MDD Records

Geiz ist eines der Attribute, die man gemeinhin mit den Schwaben in Verbindung bringt. Auf das Heavy Rock-/Metal-Quintett Spitefuel aus Heilbronn trifft dieses Vorurteil sicherlich nicht zu. Denn was diese - aus den Trümmern der vielbeachteten Vorgängerformation Strangelet hervorgegangene - Combo ihrer "Kundschaft" auf dem Debütalbum SECOND TO NONE kredenzt, ist ein opulent produziertes, mit üppigen Riffs und gehaltvollen Hooklines angereichertes 5-Gang-Edelstahl-Menü, das eben nicht kleckert, sondern klotzt.

Big Mac oder Veggie-Burger? Die Antwort liegt angesichts kalorienreicher Smasher wie "Purified", "By My Hand" oder der epischen ersten Singleauskopplung "Sleeping With The Wolves" - einer Nummer, die zweifellos das Zeug zum künftigen Teutonen-Metal-Klassiker hat - auf der Hand. "Whorehouse Symphony", ein feister Groove-Stampfer in bester Metallica-Manier, dürfte ebenfalls jeden Diät-Plan über den Haufen werfen.

Die wunderschöne Akkustik-Ballade "Fly" verschafft dem Hörer eine willkommene Verschnaufpause und lässt die gefühlsbetonte Seite von Spitefuel zutage treten. Ja, auch Metalheads haben ein Herz, wenn auch aus Stahl.

SECOND TO NONE setzt den wichtigen ersten Meilenstein in der noch jungen Karriere des sympathischen und talentierten Schwaben-Fünfers. Folgende Alben werden sich daran messen lassen müssen. Warten wir also die künftigen Taten von Spitefuel ab. Ich persönlich sehe dem sehr gelassen entgegen.

Marc Schipper

(Redakteur bei Rock It!/Noisy Neighbours)

 

www.facebook.com/Spitefuel/

Spitefuel

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NITROGODS

ROADKILL BBQ / CD 50:00 Min.

Steamhammer / SPV

Nitrogods, Klappe, die 3.! Passend zum Start der Grillsaison kredenzt uns das Dampfhammer-Trio ein über offenem Feuer gegartes, selbst erlegtes BBQ der Spitzenklasse.

Bereits der das Album eröffnende Drilling, bestehend aus "Rancid Rock", dem Titelsong "Roadkill BBQ" und "My Love's A Wirebrush", vereint sämtliche Trademarks des Dreigestirns: Dreckiger Gesang, knackige Gitarren, pumpende Bässe sowie ungebremst vorwärts getriebene Drums mit Totalschaden-Garantie. Flankiert wird diese Rock'n'Roll-Vollbedienung von groovenden Midtempo-Krachern wie "Boogeyman", "The Price Of Liberty" oder dem mit AC/DC-Gedächtnis-Riff garnierten "Where Have The Years Gone", bei dem die Nitrogods textlich die Nostalgie-Keule schwingen.

Überwiegend fährt man auf ROADKILL BBQ die hohen Gänge im bewährten Motörhead-Modus, ein Vergleich, der seitens der Fachpresse zwar immer wieder gerne aus der Westentasche gezogen, von den Nitrogods selbst aber auch nicht geleugnet wird. Es klingt halt, wie es klingt. Basta.

Die Produktion fällt gewohnt knackig und druckvoll aus, hier gibt es ebenfalls nix zu bekritteln. Und denjenigen, die bislang nicht in den Genuss kamen, die Jungs auf der Bühne zu genießen, sei folgendes mit auf den Weg gegeben: Live klingen die Nitrogods noch fetter als auf Platte. Klingt komisch, ist aber so!

Daher folgender Tipp zum Abschluss: Album kaufen, fleissig die Songs lernen, ab zum Livekonzert und hart abfeiern. Und falls sich nach dem Gig der kleine Hunger melden sollte, wird ein leckeres Offroad-BBQ veranstaltet. Wer hierzu Fragen hat, darf sich vertrauensvoll an die Herren Wolter, Larcher und Sperling wenden.

Marc Schipper

(Redakteur bei Rock It!/Noisy Neighbours)

 

www.nitrogods.de

Nitrogods

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Black Country Communion

BCCIV / CD 60:34 Min.

Mascot Label Group

Vier Jahre sind seit dem unrühmlichen Abgang der amerikanisch-britischen Allianz ins Land gezogen, die in den Jahren 2010 bis 2012 drei Studioalben sowie ein Livealbum veröffentlichte. 2013 erfolgte der Split, der im Wesentlichen auf Unstimmigkeiten zwischen den Alphatieren Glenn Hughes und Joe Bonamassa beruhte. Trotzkopf Hughes gründete daraufhin gemeinsam mit Jason Bonham und dem jungen Gitarristen Andrew Watt California Breed, deren hastig zusammengezimmertes Debütalbum jedoch nicht an die Alben von BCC heranreichen konnte, so dass diese Formation bereits Anfang 2015 wieder Geschichte war. Ein Anruf von Joe Bonamassa bei Glenn Hughes Anfang 2016, anlässlich dessen Aufnahme in die Rock'n'Roll Hall Of Fame (als Mitglied von Deep Purple), führte schließlich zur Reunion der vier Kollaborateure, die mit BCCIV nahtlos an die drei Vorgängerwerke anknüpfen können.

Der bereits vorab als Appetizer veröffentlichte Track und Albumopener "Collide" entpuppt sich als Hard Rock-Wuchtbrumme par excellence und vereint gleich zum Auftakt sämtliche Trademarks dieser Ausnahmeformation; der voluminöse Drumsound von Bonham, die messerscharfen Riffs und Soli von Bonamassa, die geschmackvollen Keyboardteppiche von Sherinian und nicht zuletzt der grollende Bass sowie die furiose Stimme von Hughes, die auch 2017 nicht an Ausdruckskraft und Power eingebüßt hat. All das fügt sich hier zu einer homogenen Einheit zusammen und ebnet den Weg für die übrigen neun Songs des neuen Albums, das wieder einmal sämtliche Facetten abdeckt, die dem geneigten Hard Rock-Fan im Laufe der Jahre ans Herz gewachsen sind. Mit groovigen Midtempo-Perlen wie "Over My Head" oder "Wanderlust", rasanten Kraftpaketen der Marke "The Crow", "Sway" und dem zeppelineskem "Love Remains" sowie bluesigem Heavy-Rock in Gestalt des Songbrockens "The Cove" (Free lassen grüßen!) stecken Black Country Communion erneut eindrucksvoll ihren Claim ab.

"The Last Song For My Resting Place" und "When The Morning Comes" dürfen ohne Zweifel als Filetstücke des Albums bezeichnet werden. Erstgenannter Song entpuppt sich als epische - durch den Einsatz von Mandoline/Violine countryesk und keltisch anmutende - Powerballade aus dem Hause Bonamassa, wuchtige Riff-Orgie inklusive. Die Abschlussnummer "When The Morning Comes" erweist sich hingegen als eine von Piano und Akustikgitarre getragene, zunächst fragil wirkende, final aber doch wieder hart zupackende Hard Rock-Nummer, die ein Comebackalbum ausklingen lässt, auf dem es in gewohntem Maße brodelt, scheppert, raucht und kracht. BCC sind zurück, mit einem Paukenschlag!

Marc Schipper

 

www.bccommunion.com

Black Country Communion

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BUCHTIP

BON – Der letzte Highway – Die unerzählte Geschichte von Bon Scott und AC/DC

AUTOR: Jesse Fink / Verlag: Hannibal

ISBN: 978-3-85445-632-2

VÖ: 03. November 2017

Format/Umfang: Taschenbuch/576 Seiten

Stil: Musiker-Biographie

Jesse Fink ist ein überaus couragierter Autor. Ungeachtet der kritischen Reaktionen (und davon gab es beileibe nicht wenig) in Bezug auf seine letzte Veröffentlichung – DIE BRÜDER YOUNG -, in der die Anführer von AC/DC als nicht gerade besonders verträgliche Zeitgenossen charakterisiert wurden, geht Fink diesmal sogar noch einen Schritt weiter: Er widmet sich der Geschichte von Bon Scott, eben jenem legendären Frontmann der australischen Rock-Ikone, der laut offizieller "Version" am 19. Februar 1980 im Alter von nur 33 Jahren auf dem Rücksitz eines Renault 5 in London nach einer durchzechten Nacht aufgrund einer Alkoholvergiftung an seinem eigenen Erbrochenen erstickte.

Jesse Fink beschäftigt sich in seinem neuen Buch nicht lediglich mit dem Rockstar Bon Scott, wie es bereits unzählige Biographen vor ihm taten und sich dabei im Wesentlichen auf die legendären Ausschweifungen des Sängers fokussierten. Fink setzt sich mit dem Menschen hinter der Legende auseinander, mit seiner Persönlichkeit, seinen Stärken, seinen Schwächen und seinen Träumen. Das Hauptaugenmerk richtet sich auf die letzten drei Jahre im Leben von Bon Scott. Und seinem Tod. Und in diesem Punkt setzt sich BON deutlich von den bisherigen Veröffentlichungen ab.

Die Kernfragen des Buches lauten: Was hat sich wirklich am Abend vor Scotts Tod zugetragen? War Heroin und nicht etwa Alkohol die Ursache für den Tod des Sängers? Wie hoch ist der Anteil von Bon Scott an den Texten/Songs zum BACK IN BLACK-Album? Sind tatsächlich, wie uns das Band-Management sowie die Mitglieder der Band selbst seit Jahrzehnten vermitteln, keinerlei Texte aus der Feder des Sängers für den Megaseller verwendet worden?

Bemerkenswert ist die Herangehensweise von Jesse Fink. Seine akribischen Recherchen zogen sich über drei Jahre hin. Er hat zahlreiche Interviews mit Personen geführt, die Bon Scott in seinen letzten Lebensjahren nahestanden; mit engen Freunden und ehemaligen Geliebten. Er hat die Aussagen dieser Personen einander gegenübergestellt, die Widersprüche herausgearbeitet und die Gemeinsamkeiten zusammengefasst. Herausgekommen ist ein faktenreiches, spannendes Buch, das sich streckenweise wie eine Kriminalgeschichte liest, die aufgestellten Theorien allerdings nachvollziehbar unterfüttert und die "offizielle Geschichte" zumindest fragwürdig erscheinen lässt.

Wer sich nicht nur oberflächlich mit der Person Bon Scott, seinem Leben, seinem Tod und seinem Vermächtnis auseinandersetzen möchte und auf ein Buch gewartet hat, das dem Mythos, der Legende, dem Menschen Bon Scott annähernd gerecht wird: Hier ist es. Investigativer Journalismus vom Allerfeinsten!

Rezension: Marc Schipper

 

www.bonthelasthighway.com

Bon

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